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Mudam Luxembourg

Mudam, das Museum für zeitgenössische Kunst in Luxemburg, setzt sich für eine Vielfalt künstlerischer Disziplinen ein. Seine Sammlung und sein Ausstellungsprogramm stehen für die Tendenzen des zeitgenössischen Kunstschaffens und halten die Besucher ständig über neue künstlerische Arbeitsweisen auf dem Laufenden, auf nationaler wie auf internationaler Ebene.

Das Gebäude, ein Werk des chinesisch-amerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei, steht in einem perfekten Dialog mit seinem natürlichen und historischen Umfeld. Erbaut unmittelbar hinter den Überresten des Fort Thüngen, dessen alte Wallmauern seinen Grundriss bestimmten, liegt es, nur wenige Schritte vom Europaviertel auf dem Kirchberg entfernt, im Park Dräi Eechelen, der vom Landschaftsarchitekten Michel Desvigne entworfen wurde und vom dem man eine herrliche Sicht auf die Altstadt hat.

Einfache Volumina und großzügig geschnittene Räume ebenso wie die Verbindung von Stein und Glas zeugen von der meisterhaften Beherrschung der architektonischen Mittel durch den berühmten Architekten. Das raffinierte Spiel zwischen Innen und Außen, bei dem eine Vielzahl von Ausblicken auf den umliegenden Park wie auch auf die Weite des Himmels durch die kühnen Glasdecken ermöglicht wird, wird unterstrichen durch die Verwendung von Magny Doré, einem honigfarbenen Kalkstein, der zu jeder Tages- und zu jeder Jahreszeit das Licht in subtilen farblichen Nuancen wiedergibt. Das Museum verfügt auf drei Etagen über 4500 m2 Ausstellungsfläche. Baubeginn war im Januar 1999, die Einweihung fand am 1. Juli 2006 statt.

Das kulturelle Projekt des Mudam beruht auf der Vorstellung von der Kunst als eine poetische Distanz zur Welt. Seine Hauptlinien lesen sich in den Worten Freiheit, Innovation, kritische Geisteshaltung, und all das nicht ohne Humor. In seinen Veranstaltungen wird nicht nur allen möglichen Ausdrucksformen Raum gegeben sondern es werden gleichzeitig auch unsere Gewohnheiten und überkommenen Vorstellungsweisen infrage gestellt. So werden Formen zeitgenössischen Denkens erforscht wie auch die ästhetische Sprache unserer sich entfaltenden Epoche vorgestellt.

Die Mudam Sammlung ist als Zeuge des zeitgenössischen Kunstschaffens in all seinen technischen und ästhetischen Formen offen gegenüber allen künstlerischen Disziplinen: Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie, aber auch Design, Mode und die verschiedensten Formen der Graphik und der Neuen Medien präsentieren sich dem Blick der Besucher. Dabei erlaubt sich die entschieden in der Gegenwart verankerte Sammlung eine poetisch-künstlerische Bandbreite, die bei den großen Namen von Bernd und Hilla Becher bis zu Daniel Buren reicht, von Blinky Palermo bis hin zu Cy Twombly. Die Möblierung im Innern wie im Außenbereich wurde Künstlern und Designern wie Erwan und Ronan Bouroullec, Martin Szekely, Konstantin Grcic, Bert Theis, Andrea Blum oder David Dubois anvertraut. Die Sammlung entwickelt sich im Hinblick auf das internationale Kunstschaffen und bewahrt dabei eine besondere Aufmerksamkeit auch gegenüber den bedeutendsten Resultaten der regionalen Kunstszene.

Dieses Abenteuer erlebt Mudam gemeinsam mit seinen Besuchern. Die Besucher sind eingeladen, sich im Museum selbst neu zu erleben, Vorurteile hinter sich zu lassen und der Kunst mit einem neuen und befreiten Blick zu begegnen. Zahlreich sind die Möglichkeiten der verschiedensten Besichtigungen, von der detailliert geführten bis zur selbstständig freien hat der Besucher die Wahl. Als Ort für ästhetische Entdeckungen, für Reflexion und Betrachtung, ist das Mudam auch ein Ort der Geselligkeit in anregendem Rahmen (im Mudam Café) wie auch ein Ort für den anregenden Einkauf (im der Mudam Boutique).

Kontakt

Mudam Luxembourg
Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean
3, Park Dräi Eechelen
L-1499 Luxembourg

Telefon: +352 45 37 85-960
E-Mail: info@mudam.lu

 

Öffnungszeiten
Mittwoch - Freitag 11-20 Uhr
Samstag - Montag 11-18 Uhr
Feiertage 11-18 Uhr
Dienstags geschlossen sowie am 25.12.

Photos: © Pierre-Olivier Deschamps / Agence Vu, Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean, Architect: I.M. Pei
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Ausstellung

Colonialism in camouflage

The Radio Disaster Series – Listening session

Mit The Radio Disaster Series: Colonialism in camouflage [Getarnter Kolonialismus] kündigt das Mudam ein Veranstaltungsprogramm des Kollektivs Beyond the post-soviet in Zusammenarbeit mit dem Mudam an. Diese zweite Ausgabe der Radio Disaster Series widmet sich dem dekolonialen Denken und der Frage, wie man mit seiner Hilfe die Heimtücke des imperialistischen und kolonialistischen Denkens sowie kolonialer Praktiken in Europa und in postkolonialen Gebieten kritisch reflektieren und ihnen Widerstand leisten kann.

Kapitel I:
Imperial violence and occupation in (post-)Soviet territories and beyond


Das vom Mudam in Auftrag gegebene und von Beyond the post-soviet kuratierte erste Kapitel ist eine Reaktion auf die Dringlichkeit, die anhaltende imperiale Gewalt gegenüber Mittelosteuropa, den baltischen Staaten, dem Kaukasus, Zentralasien und darüber hinaus sowie ihre langfristigen Auswirkungen auf die Gesellschaften und ihren Ausdruck in der bildenden Kunst anzuerkennen. Ab November 2022 werden im Rahmen von Colonialism in Camouflage eine Reihe von Offline- und Online-Veranstaltungen stattfinden: ein Vortrag von Epp Annus, eine Listening Session, eine intensive Betrachtung eines Kunstwerks aus der Sammlung des Mudam sowie Workshops für Erwachsene und Kinder.

Der Titel des Programms leitet sich ab von Soviet Postcolonial Studies: A View from the Western Borderlands (2018), einem Buch der Literaturwissenschaftlerin und Autorin Epp Annus, die den Ausdruck „colonialism in camouflage“ [getarnter Kolonialismus] verwendet, um verschiedene Strategien der sowjetischen Vorherrschaft aufzuzeigen. Diese in verschiedenen Regionen angewandten Strategien umfassten territoriale Besetzungen, Deportationen, Völkermorde, künstlich herbeigeführte Hungersnöte, die Unterdrückung lokaler Kulturen sowie eine bewusste Auslöschung des kulturellen Gedächtnisses. Der Titel verweist auch auf eine lange Geschichte militärischer Gewalt in diesen Gebieten, wobei die jüngste russische Militäroffensive in der Ukraine sich nicht als isoliertes Ereignis präsentiert, sondern als Ergebnis anhaltender imperial-kolonialer Strategien und Denkweisen.

Das zweite Kapitel, das im Januar 2023 beginnt, wird diese Themen erweitern und sich auf die lang anhaltenden Folgen des westeuropäischen Kolonialismus konzentrieren. Dieser Teil wurde von Mudam konzipiert und wird von Line Ajan, Clémentine Proby und Joel Valabrega kuratiert.

Als Antwort auf diese Thematik versucht das Programm, mit denTeilnehmer·innen einen geschützten Raum zu etablieren, innerhalb dessen theoretische und künstlerische Beiträge, Diskussionen und Debatten auf individuelle und kollektive Geschichten und Erinnerungen im Sinne wertvoller Wissensquellen zurückgreifen werden. Diese Momente des Lernens zielen auf ein kollektives unlearning jener imperialistischer Vorstellungen und Perspektiven ab, die in die westlichen Gesellschaften eingebettet sind.

Listening Session
How to be anti-colonial?

04.12.22 | 14h00

In einem Beitrag zu einer Serie von Veröffentlichungen mit dem Titel „Are we post-colonial? Post-Soviet space” [sind wir postkolonial? Post-sowjetischer Raum] fragt die renommierte Literaturtheoretikerin, postkoloniale und feministische Wissenschaftlerin Gayatri Chakravorty Spivak Lehrende der slawischen und osteuropäischen Literatur „Sind Sie postkolonial?“ (2005). Die tief verankerte physische, ökonomische und kulturelle Gewalt eines jeden kolonialen Projekts, einschließlich jener, die zuerst das imperiale Russland, dann die Sowjetunion und heute der russische Staat ausübt, wird auf diese Weise in individuelle und kollektive Narrative eingebettet. Im Einklang mit Spivaks Gedanken ist die Listening Session in Dialog mit dem Kurator und Theoretiker Vasyl Cherepanyn, der Künstlerin Lia Dostlieva, der Künstlerin und Kuratorin Tatiana Fiodorova und die Philosophin Renata Salecl als Raum für den Austausch über verschiedene Formen der Besatzung – politisch, territorial, kulturell, ideologisch – sowie für das Überdenken der Rahmenbedingungen eines solchen Austauschs gedacht. Das Publikum ist zum aufmerksamen Zuhören eingeladen. Am Ende der Session findet eine informelle Versammlung im Auditorium des Mudam ohne Mikrofone statt.

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Ausstellung

Nora Turato. i am happy to own my implicit biases

Aus Anlass ihrer Aufnahme in die Mudam Sammlung wird die Arbeit i am happy to own my implicit biases (malo mrkva, malo batina) (2018-2020) von Nora Turato vom 19. November 2022 bis zum 4. Mai 2023 im Foyer im Untergeschoss des Museums präsentiert, im weiteren Zusammenhang auch mit der Ausstellung 25 Jahre Mudam Sammlung.

Nora Turato (1991, Zagreb) ist bekannt für ihre Spoken Word Performances, ihre Künstlerbücher und ihre Videos, in denen sie Text und Malerei reichlich Platz einräumt. Auf der Basis ihrer musikalischen Erfahrung und ihrer grafischen Ausbildung fügt sie Worte und Phrasen aus den Medien und aus ihren eigenen Unterhaltungen zu epischen „Skripts“ für ihre Performances oder zu ihren typografischen Arbeiten zusammen, für die sie die unterschiedlichsten Mittel und Träger wählt. Ihre Arbeit interessiert sich für die Sprunghaftigkeit der Sprache, die sie hörbar macht durch ihre stimmliche Modulation und sichtbar durch ihre grafische Form.

i am happy to own my implicit biases (malo mrkva, malo batina) (2018-2020) ist eine Soundinstallation in einer großen Metallstruktur, die ursprünglich für die Manifesta 12 in Palermo angefertigt worden war, wo sie im Oratorio di San Lorenzo gezeigt wurde. Mit Elementen eines Käfigs, einer Umkleidekabine und einen Beichtstuhls funktioniert dieses Gefängnisenvironment gleichermaßen als Bühne für Turatos Performances wie als Sitzgelegenheit für die Zuschauer und wo man sich unterhalten kann. Die Installation wird von einer Aufnahme der Stimme der Künstlerin begleitet, die aus den oben angebrachten Lautsprechern zu hören ist. Die gleichnamige Performance, die den Soundtrack zur Installation bildet, besteht aus Fragmenten einer Unterhaltung. Das Skript erwähnt die doñas de fuera (Frauen von außerhalb), weibliche Geister aus der sizilianischen Folklore (deren Bezeichnung noch auf die Zeit der spanischen Herrschaft über die Insel zurückgeht), die, so sagte man, die von der Inquisition der Hexerei verdächtigten Frauen quälten. Diese historische Referenz ist Teil der kontinuierlichen Reflexion der Künstlerin über das Schweigen der Frauen in patriarchalischen Gesellschaften, die dann in der wütenden, wortmächtigen und kraftvollen weiblichen Figur in ihren Performances Gestalt annimmt.

Biographie
Nora Turato (1991, Zagreb) hatte Einzelausstellungen im MoMA, New York (2022), in der Wiener Secession, (2021), im MASI, Lugano, im Centre Pompidou, Paris, im Museum für Gegenwartskunst Siegen (2020), im Museum Serralves, Porto und in der Beursschouwburg, Bruxelles (2019). Ihre Arbeit wurde in internationalen Gruppenausstellungen gezeigt, wie auf der Biennale von Belgrad oder der Manifesta 12 in Palermo (2018).

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Sung Tieu, Untitled, 2022 | Digital Drawing © Sung Tieu
Ausstellung

Sung Tieu. Civic Floor

Die Ausstellungen der Künstlerin Sung Tieu (1987, Hai Duong, Vietnam), die mit verschiedenen Medien arbeitet, basieren auf umfangreichen Recherchen. Ihre Skulpturen, Zeichnungen, Texte und Soundarbeiten thematisieren Fragen von Regierungsgewalt, Bürgerpflicht und Gerechtigkeit über eine Analyse staatlicher Kontrollmechanismen. Sie beziehen sich auf die Kunstgeschichte, insbesondere den Minimalismus und dessen Verwendung des Rasters, und beleuchten, wie sich Ideologien in Industriedesign und Architektur einschreiben, sowie die Vorherrschaft der Abstraktion als organisierende Kraft.

Civic Floor besteht aus einer Reihe von Stahl- und Gipsarbeiten, die von gravierten Tafeln (im Untergeschoss ausgestellt) und Soundarbeiten begleitet werden. Sung Tieus neuer, aus Skulpturen und Wandarbeiten bestehende Werkkomplex nimmt Fragen des Raums und des Volumens zum Anlass, deren grundlegende Rolle sowohl im Kunstschaffen als auch bei der Gestaltung von Hafträumen und in bürokratischen Systemen zu betrachten.

Sieben mit Erde gefüllte Stahlskulpturen, auf Stahltischen platziert, beziehen sich auf vier Typen von Gefängnisarchitektur: das so genannte „Radial“-Gefängnis, das in den 1840er-Jahren in Großbritannien entstand, die „Innenhof“-Architektur, die es im späten zwanzigsten Jahrhundert ablöste, und die „neue Generation“ von Gefängnissen, die in den 1990er-Jahren aufkam. Tieu lädt uns ein, einen Blick in das Innere der kantigen, schrägen Formen zu werfen, das die Organisation dieser Räume offenbart. Drei der Werke vergrößern ein Detail dieser Innenräume. Das Hinzufügen von vor Ort entnommener Erde stellt eine Verbindung zum Land her. Das allgegenwärtig verfügbare organische Material dient zudem als Hinweis auf die Existenz nationaler Grenzen.

Die Skulpturen sind von einer zweiten Serie von Wandarbeiten auf Gipsbasis umgeben, die auf verschiedene Dokumente zur Beurteilung einer Einwanderungsberechtigung verweisen. Drei Formulare, die jeweils für einen Asylantrag, den Einspruch gegen eine Abschiebung und einen Antrag auf eine „Befreiung von Unzulässigkeitsgründen“ verwendet werden, bilden die Grundlage für die Wandarbeiten. Ohne Text und auf Linien und Kästchen reduziert, geben sie nur jene Teile des Formulars wieder, die von den Antragstellenden auszufüllen sind. Die Werke lenken die Aufmerksamkeit auf die rasterförmige Grafik der Dokumente, die Aufteilung der Fläche auf der Oberfläche und die Abstrahierung ihrer kompositorischen Elemente innerhalb eines Schemas linearer, quadratischer und rechteckiger Formen. In die glatte Gipsoberfläche gefräst, wirken sie wie rätselhafte Notationen. Sie spielen auf antike Ton- und Steintafeln an, die zu den frühesten Formen der Inschrift zählen und administrative oder praktische Regeln antiker Gesellschaften beschreiben. Im Untergeschoss bietet Tieu eine schriftliche Analyse dieser Gipsarbeiten an, in der sie die Aufteilung der Flächen untersucht und mit Zahlen quantifiziert.

Die Ausstellung wird von einem Soundtrack begleitet, der auch auf der Website des Mudam angehört werden kann. Die im Untergeschoss gezeigten Texte sind auch über ein Informationsblatt zu finden, das an Kasse des Mudam erhältlich ist.

Sung Tieu’s Arbeit wurde im Rahmen von Einzelausstellungen im Kunstmuseum Bonn, in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig (2021), im Nottingham Contemporary und im Haus der Kunst in München (2020) gezeigt. Ihre Werke waren zudem Teil der 34. Biennale von São Paulo und wurden im Museion in Bozen, in der Kunsthalle Basel (2021), im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt/ Main, im GAMeC Museum in Bergamo und im Hamburger Bahnhof in Berlin (2020) ausgestellt. Zu ihren kommenden Projekten gehören Einzelausstellungen in der Amant Foundation, im MIT List Visual Arts Center in Cambridge (USA) und im Kunstmuseum Winterthur (jeweils 2023). 2021 erhielt sie den Frieze Artist Award und den ars vivaPreis. Im gleichen Jahr erhielt sie zudem den Publikumspreis anlässlich des Preises der Nationalgalerie in Berlin. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Kuratorin: Michelle Cotton, assistiert von Clémentine Proby

Civic Floor ist eine Ausstellung Zusammenarbeit mit dem MIT List Visual Arts Center, Cambridge, Massachusetts (USA) und der Southern Alberta Art Gallery, Maansiksikaitsitapiitsinikssin, Lethbridge (Kanada).

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Ausstellung

Face-à-Face

Gruppenausstellung

Moderne Galerie/Mudam Luxembourg: Zwei Sammlungen im Dialog

In der Ausstellung Face-à-Face geht es um einen neuartigen Dialog zwischen den Sammlungen zweier Museen. Sie stellt Beziehungen her zwischen Kunstwerken bedeutender deutscher und französischer Vertreter·innen der Avantgarden der Modernen Kunst und den Arbeiten zeitgenössischer Künstler·innen aus allen Teilen der Welt. Themen wie die Metamorphose, die Verwandlung der Materie, optische Phänomene oder die Wahrnehmung des Raumes bestimmen die Präsentation in der Ostgalerie. In ihnen zeigt sich nicht nur eine Vielfalt formaler Experimente, sondern auch der Drang vieler Künstler·innen, die Gesellschaft auf ihre sozialen und politischen Strukturen hin zu untersuchen.

In Europa artikulierte sich die künstlerische Blüte der 1920er-Jahre oft in gemeinschaftlichen Unternehmungen. Künstler wie Lyonel Feininger und László Moholy-Nagy waren Teil der innovativen Bauhaus-Bewegung, die 1919 in Weimar gegründet wurde und sich zum Ziel gesetzt hatte, Kunst, Architektur und Kunsthandwerk zu vereinen. Ihre Arbeiten, in denen sie die Vereinfachung beziehungsweise die Vereinzelung geometrisch-figürlicher und abstrakter Motive untersuchen, ähneln den fotografischen Experimenten von Albert Renger-Patzsch, der der zwischen 1918 und 1933 aufblühenden Bewegung der Neuen Sachlichkeit nahestand. Ihr Verständnis von der Wahrnehmung des Raumes und seines Aufbrechens findet ein Echo in den Arbeiten aus heutiger Zeit von Lee Bul oder Alicja Kwade.

Die Beschäftigung mit der spirituellen Dimension des Waldes bei Emily Bates oder aber die traumhaften Landschaften von Germaine Hoffmann bilden ein fernes Echo des Surrealismus, der hier mit Werken seiner bedeutenden Vertreter Hans Bellmer und Max Ernst präsent ist. Wenngleich diese Bewegung weit über Europa hinausreichte, fand sie ihren Ursprung in Frankreich, wo André Breton 1924 das Manifest des Surrealismus veröffentlichte. Befreit von den Zwängen der Vernunft, nehmen in diesem das Unterbewusste, der Traum und das Fremdartige einen besonderen Platz ein. Die Welt des Surrealismus ist voll von hybriden organischen Formen, die es so auch in der zeitgenössischen Kunst gibt, etwa bei Michel Paysant, Tobias Putrih oder François Roche.

Auch die Nachkriegszeit in Deutschland war in künstlerischer Hinsicht besonders fruchtbar. In den 1950er-Jahren knüpfte die Subjektive Fotografie mit Otto Steinert als führendem Kopf an den Modernismus der Zwanzigerjahre an, den die Nationalsozialisten zum Schweigen gebracht hatten. Ohne den Anspruch, die Wirklichkeit wiedergeben zu wollen, fanden die Fotograf·innen eigene Blickwinkel und zahllose Motive, denen sie die Kraft der Abstraktion verliehen. Diese ist auch in den Fotolithografien von Lutz & Guggisberg oder im Video von Yazid Oulab spürbar.

Als dann in den 1960er-Jahren im Zeitalter der Eroberung des Weltraumes Künstler wie Heinz Mack und Otto Piene die Gruppe ZERO gründeten, ein freiheitliches, bilderstürmerisches und utopisches Projekt, wurde deutlich, dass sie einen vollständigen Neubeginn anstrebten und die Materialität der Leinwand hinter sich lassen wollten. Sie griffen auf neue industrielle Materialien zurück, die sie durch ihre optische oder bewegliche Qualität beeindruckten. Diese Hervorhebung der Bewegung, des Raumes und des Lichtes findet sich heute in der Malerei von Janaina Tschäpe.

Im Zentrum des Parcours in der Westgalerie steht der menschliche Körper in all seinen Erscheinungsformen. Er dominiert in kunstvoller Präsenz den Raum und wird zum Träger alter und neuer Mythen. Er steht auch metaphorisch für eine Art inneren Rückzug oder, im Gegenteil, sieht sich dem Tumult der Welt ausgesetzt.

Die Darstellung der menschlichen Figur wurde im vergangenen Jahrhundert immer wieder neu formuliert. Auch heute wird sie von Künstler·innen neu erfunden. Von Henri Matisses Porträts bis zu jenen von Nan Goldin erstreckt sich ein weites Spektrum künstlerischer Sensibilitäten, von der Suche nach der Harmonie bei ersterem bis hin zum Blick auf die Brüche im Privaten bei letzterer. Bei Fernand Léger und Kathia St. Hilaire wird die Figur zum Archetypen, stellvertretend für die Moderne beziehungsweise für die Kultur Haitis.

Im frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich auch eine intensive Beziehung zwischen Tanz und bildender Kunst. Auf das Ausloten der Möglichkeiten freier Bewegung im Raum in den neuen Formen des modernen Tanzes antworteten Bildhauer·innen mit Experimenten in der Darstellung des Körpers. Für zahlreiche moderne Künstler·innen wie zum Beispiel Rudolf Belling oder Alexander Archipenko war der bewegte Körper ein zentrales Motiv ihrer Untersuchungen. Archipenko entwickelte in den 1910er-Jahren einen auf einem dynamischen Dialog zwischen Figur und Raum basierenden Stil, der vom Rhythmus bestimmt wurde. Der Tanz steht auch in der zeitgenössischen Arbeit von Silke Otto-Knapp im Mittelpunkt, die diesem Spannungsverhältnis in ihrer Malerei einen besonderen Klang zu verleihen vermag.

Als Giorgio de Chirico 1915 in Ferrara die Bewegung der Pittura Metafisica gründete, versuchte er in seinen Bildern durch Erstarrung und Stille ins Innere der Welt vorzudringen. Dieser Rückzug aus dem lauten Durcheinander der Welt erfährt in der abstrakten Malerei von Helmut Federle eine spirituelle Dimension, geometrisch und flimmernd zugleich. Bei Rui Moreira hingegen zeigt sich das innere Leben als Gleichklang der Bewegung des Körpers und der geistigen Landschaft.

Demgegenüber steht das Getöse der Geschichte, das Ludwig Meidner und Otto Dix beschreiben. Beide den Avantgarden ihrer Zeit nahestehende Künstler sahen den Nationalismus in Europa heraufziehen, der eine vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der andere mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 in Deutschland. Ihre hier gezeigten Arbeiten sind hellsichtige Blicke auf die kommenden Katastrophen. Die Trauerszene im Kosovo von Pascal Convert zeugt von der Wiederkehr des Krieges nach Europa am Ende der 1990er-Jahre. Sein universell gültiges Thema verleiht diesem Werk eine finstere Aktualität im Angesicht des jüngsten Krieges in der Ukraine.

Das grenzübergreifende Projekt Face-à-Face wird mit identischer Laufzeit im Mudam Luxemburg und im Saarlandmuseum gezeigt. Als Kontrapunkt des Dialogs zwischen den Werken moderner und zeitgenössischer Kunst aus beiden Sammlungen, der in Luxemburg stattfinden wird, werden ausgewählte Stücke aus der Mudam Sammlung in Deutschland gezeigt. Werke von Tania Bruguera, Günther Förg, Su-Mei Tse oder Blinky Palermo und anderen treten in spannungsreichen Dialog mit den Saarbrücker Beständen. Zudem werden raumgreifende mediale und installative Arbeiten der Luxemburger Sammlung von u.a. Eija-Liisa Ahtila, David Altmejd, Martha Atienza, Mel Chin bis hin zu Kara Walker in den weitläufigen Ausstellungssälen der Modernen Galerie präsentiert werden und das Spektrum der Gegenwartskunst in neuer Breite erfahrbar machen.

Künstler, deren Werke im Mudam gezeigt werden (Änderungen vorbehalten):

Aus der Sammlung des Saarlandmuseums
Alexander Archipenko (1887, Kiev – 1964, New York), Rudolf Belling (1886, Berlin – 1972, Krailling, Allemagne), Hans Bellmer (1902, Katowice, Pologne – 1975, Paris), Monika von Boch (1915, Mettlach, Allemagne – 1993, Mettlach, Allemagne), Giorgio de Chirico (1888, Vólos, Grèce – 1978, Rome), Otto Dix (1891, Gera, Allemagne – 1969, Singen, Allemagne), Max Ernst (1891, Brühl, Allemagne – 1976, Paris), Lyonel Feininger (1871, New York – 1956, New York), Norbert Kricke (1922, Dusseldorf – 1984, Dusseldorf), Henri Laurens (1885, Paris – 1954, Paris), Georg Grosz (1893, Berlin – 1959, Berlin), Fernand Léger (1881, Argentan, France – 1955, Gif-sur-Yvette, France), Heinz Mack (1931, Lollar, Allemagne), Henri Matisse (1869, Le Cateau-Cambrésis, France – 1954, Nice), Ludwig Meidner (1884, Bierutów, Pologne – 1966, Darmstadt), László Moholy-Nagy (1895, Bácsborsód, Hongrie – 1946, Chicago), Otto Piene (1928, Laasphe, Allemagne – 2014, Berlin), Albert Renger-Patzsch (1897, Würzbourg, Allemagne – 1966, Wamel, Pays-Bas), Auguste Renoir (1841, Limoges, France – 1919, Cagnes-sur-Mer, France), Auguste Rodin (1840, Paris – 1917, Meudon), Josef Scharl (1896, Munich – 1954, New York), Jan J. Schoonhoven (1914, Delft – 1994, Delft), Otto Steinert (1915, Sarrebruck – 1978, Essen)

Aus der Sammlung des Mudam
Emily Bates (1970, Basingstoke, Royaume-Uni), Miguel Branco (1963, Castelo Branco, Portugal), Beaurin Domercq (1960, France / 1965, France), Katinka Bock (1976, Francfort-sur-le-Main), Giulia Cenci (1988, Cortone), Pascal Convert (1957, Mont-de-Marsan, France), Helmut Federle (1944, Soleure, Suisse), Roland Fischer (1958, Sarrebruck, Allemagne), Nan Goldin (1953, Washington), Germaine Hoffmann (1930, Luxembourg), Dom Sylvester Houédard (1924, Guernesey – 1992, Guernesey), Alicja Kwade (1979, Katowice, Pologne), Lee Bul (1964, Séoul), Mark Lewis (1958, Hamilton, Canada), Edward Lipski (1966, Londres), Little Warsaw (fondé en 1996), Lutz & Guggisberg (1968, Suisse/1966, Suisse), Andrea Mastrovito (1978, Bergame), Isabelle Marmann (1975, Luxembourg), Rui Moreira (1971, Porto), Silke Otto-Knapp (1970, Osnabrück, Allemagne), Yazid Oulab (1958, Sedrata, Algérie), Michel Paysant (1955, Bouzonville, France), Tobias Putrih (1972, Kranj, Slovénie), François Roche/R&Sie(n) (1961, Paris), Nedko Solakov (1957, Cherven Bryag, Bulgarie), Kathia St. Hilaire (1995, Palm Beach, États-Unis), Janaina Tschäpe (1973, Munich)

Kuratorin der Ausstellung im Mudam: Marie-Noëlle Farcy, Assistiert von Vanessa Lecomte
Szenografie: Fabeck Architectes
Kuratoren der Ausstellung im Saarlandmuseum: Andrea Jahn (Direktorin),
Kathrin Elvers-Švamberk (stellvertretende Direktorin)

Eine Zusammenarbeit zwischen: Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean und Moderne Galerie – Saarlandmuseum Saarbrücken

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Ausstellung

Tarek Atoui. Waters’ Witness

Exhibition + performances

Tarek Atoui (1980, Beirut) arbeitet an der Schnittstelle von bildender Kunst und Sound Art. Er ist bekannt für Installationen und Performances, die mithilfe von Klang und Objekten einen sinnlichen Zugang zum Raum ermöglichen. Der investigative Entstehungsprozess seiner Arbeiten umfasst Ansätze aus der Geschichte, der Anthropologie, der Ethnologie und der Musikwissenschaft. Für Atoui sind Klang und Töne Katalysatoren für menschliche Interaktion, daher arbeitet er oft mit anderen Musiker:innen sowie mit Forscher:innen und Musikinstrumentenbauern zusammen.

Die Ausstellung Waters’ Witness, die in der Grand Hall des Mudam sowie im Park Dräi Eechelen präsentiert wird, beruht auf dem von Atoui 2015 begonnenen und bis heute andauernden Projekt I/E (Infinite Ears). Es basiert auf einer gemeinsam mit den Musikern und Komponisten Chris Watson und Eric La Casa unternommenen Recherchearbeit, für die sie Tonaufnahmen machten zur Dokumentation menschlicher, ökologischer, historischer und industrieller Manifestationen in ehemals bedeutenden Hafenstädten wie Elefsina (bei Athen), Abu Dhabi, Singapur, Beirut oder Porto. Dabei hielt sich Atoui stets in unmittelbarer Nähe zum oder gar unter Wasser auf, um mit vielfältigen Aufnahmetechniken den Klang des Meeres, der Hafenanlagen und von Materialien wie Metall, Stein oder Holz aufzunehmen.

Die Ausstellung Waters’ Witness wurde zuerst im Jahr 2020 im Fridericianum in Kassel gezeigt. Dabei wurden die Aufnahmen der ersten beiden Häfen des Projekts I/E (Elefsina, 2015 und Abu Dhabi, 2017) zusammengeführt. Die in dem Athener Vorort aufgenommenen Klänge erschienen „dumpf, wie in Watte gepackt“, während der Hafen von Abu Dhabi, wo große Mengen Baumaterialien wie Stahl und Rohre lagerten, „helle, scharfe und klare Töne“ lieferte. Beide Atmosphären waren in der Installation durch aus den jeweiligen Häfen stammende Materialien wahrnehmbar – die nun auch im Mudam gezeigt werden. Die Marmorblöcke aus Athen und die Stahlträger aus Abu Dhabi werden dabei wie Elemente einer Landschaft behandelt. Sie dienen zudem dazu, Klänge von sich zu geben, weshalb es den Besucher:innen erlaubt ist, sie zu berühren.

Ein weiterer zentraler Bestandteil der Arbeit des Künstlers besteht im Bauen von Musikinstrumenten, die er in enger Zusammenarbeit mit Komponist:innen und Handwerker:innen fabriziert. Einige von ihnen sind Teil einer eigens für diese Ausstellung entstandenen Komposition. Der Rotator (2019) zum Beispiel beruht auf dem Prinzip eines Magneten und ist in der Lage, andere Instrumente durch elektro-akustische Kettenreaktionen zum Klingen zu bringen. Das unter einer Glaskuppel präsentierte Lithophone (2014) wurde aus Vulkangestein hergestellt und wird durch das Reiben eines kleineren Steines auf seiner Oberfläche gespielt.

Für die zweite Station der Ausstellung in der Fundação de Serralves in Porto 2022 entwarf Atoui eine Reihe von Holzbehältern für pflanzlichen Kompost, die auch im Mudam zu sehen sind. Sie sind von der Umgebung des Hafens von Leixões bei Porto inspiriert, wo der Künstler angehäuftes Material und industrielle Abfälle sah, die auf ihren Export warteten. Zu dieser Komposition gehören die zufälligen Klänge, die das übrig gebliebene organische Material in Echtzeit generiert und die sich über die Dauer der Ausstellung beständig verändern werden.

Zusätzliche, vom Mudam produzierte Elemente erweiterten und ergänzen das sich kontinuierlich entwickelnde Projekt, hauptsächlich in Form neuer Marmorskulpturen. Diese wurden von libanesischen Handwerkern angefertigt, deren Werkstätten sich in der Nähe des Hafens von Beirut befanden, wo sich am 4. August 2020 eine große Explosion ereignete. Ihre Präsenz ist insofern eine physische Spur von etwas, das nicht mehr existiert. Erst vor kurzem wurden die Skulpturen in Beirut für eine Reihe von Performances verwendet, die von der dortigen Non-Profit Organisation Ashkal Alwan gemeinsam mit Atoui und einer Gruppe Studierender der Orphan Welfare Society aus der libanesischen Stadt Sidon sowie von Eric La Casa und dem Schlagzeuger Akram Hajj organisiert wurden.

Sensibel gegenüber der für seine eigene, die arabische Kultur so zentralen Tradition der mündlichen Überlieferung, lehnt es Atoui ab, „Werke aufzuzeichnen: zunächst um zu verhindern, dass Ideen, die eigentlich der Allgemeinheit gehören, zum Eigentum einer einzelnen Person werden, und dann, um den Dingen die Möglichkeit zu geben, sich zu verändern und sich an ihre Zeit und ihren Ort anzupassen, ja sogar von einer Zivilisation in eine andere zu wandern.“ Mit Waters’ Witness kreiert Atoui eine Klanglandschaft, die unterschiedliche geografische und symbolische Wirklichkeiten miteinander verbindet. Es gelingt ihm, Raum und Zeit für neue Begegnungen, für einen neuen Austausch und vor allem für neue immaterielle Verbindungen zu schaffen, wie bei einer Hafenstadt, die erklärtermaßen unterschiedlichen Einflusssphären unterliegt und ein Maß ist für Wachstum und Wandel.

Biographie
Tarek Atoui (1980, Beirut) kam 1998 nach Frankreich, um elektro-akustische Musik zu studieren. Er hatte Ausstellungen in der Fundação de Serralves, Porto (2022 und 2018); The Contemporary Austin (2022); Fridericianum, Kassel (2020); NTU Centre for Contemporary Art, Singapur (2018); Mirrored Gardens, Guangzhou (2017); Tate Modern, London (2016); Fondation Louis Vuitton, Paris (2015) und in der Serpentine Gallery, London (2012). Seine Arbeit wurde im Rahmen von bedeutenden Gruppenausstellungen präsentiert, darunter die 13. Gwangju Biennale (2021); der Printemps de septembre, Toulouse (2018); die 58. Biennale in Venedig (2017); die 11. und 9. Sharjah Biennale (2013, 2009) sowie die dOCUMENTA 13 (2012). Atoui ist Preisträger des 2022 Suzanne Deal Booth / FLAG Art Foundation Prize. Er lebt und arbeitet in Paris.

Kuratorin: Joel Valabrega, Sarah Beaumont
Recherche und Produktion: Alan Affichard, Javier Caro, Igor Porte
Sound Komposition: Jad Atoui, Tarek Atoui
Studioassistent: Thomas Besset
Instrumente für diese Komposition:
The Rotator und The Duofluctus von Sergey Filatov
The Lithophone von Serge Durin
The Trichord von Tarek Atoui und Glenn Marzin
Fotos: Alexandre Guirkinger

Tarek Atouis Ausstellung Waters’ Witness entstand in Zusammenarbeit mit dem Fridericianum, Kassel, und der Fundação de Serralves, Porto.

Die Ausstellung wird von Performances von Tarek Atoui und geladenen Musiker·innen begleitet.

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Ausstellung

Tacita Dean

Einzelausstellung

Seit den frühen 1990er Jahren arbeitet Tacita Dean (1965, Canterbury) an einem umfangreichen Gesamtwerk, für das sie unterschiedliche Medien wie Film, Fotografie, Ton, aber auch Zeichnung, Grafik und Collage verwendet. Ihre Arbeit, in der sie ein weites Panorama von Themen behandelt, zeichnet sich durch eine genaue Beobachtung der Zeit, eine präzise Betrachtung der Geschichte und die Liebe zu lebensnahen Details aus. Daneben ist Dean offen auch für den Zufall als eines der Grundprinzipien ihrer Arbeit. Als Freundin unfreiwilliger Handlungen erlaubt sie auch manchmal Unvorhergesehenes, den Umständen Geschuldetes oder Verunglücktes das Resultat ihrer Arbeit zu bestimmen. Seit 2011 geht es in ihrer Arbeit auch um die Verdrängung der analogen Fotografie, bzw. des analogen Films durch digitale Bildmedien, ein Thema, zu dem sie ausführlich geschrieben und gesprochen hat und bei dem sie die exponentielle Zunahme von Bildern beschrieb. „Eine Welt, die nicht vergisst, geht unter in ihrer Unfähigkeit zu vergessen.“

In der Ostgalerie sind Werke vereint, die für das Bühnenbild des Ballets The Dante Project angefertigt wurden, welches im Oktober 2021 im Royal Opera House in London uraufgeführt wurde.

Dean fertigte das Design für das Bühnenbild und für die Kostüme eines von Wayne McGregor (1970, Stockton) choreographierten Ballets, zu dem der Komponist Thomas Adès (1971, London) die Musik geschrieben hatte. Das auf der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri (1265, Florenz – 1321, Ravenna) beruhende Dante Project gliedert sich in drei Teile und stellt die Reise Dantes durch das Reich der Toten dar, durch Hölle, Fegefeuer und Paradies.

In den drei verschiedenen, für jeden Akt verwendeten Techniken (Zeichnung, Fotografie und Film), entwickelt sich Deans Bühnenbild vom Negativen ins Positive, vom Einfarbigen in die Farbe, von der Darstellung in die Abstraktion, während Dantes Reise in die Unterwelt grafisch dargestellt wird. Inferno(2019) ist Deans bisher größte Zeichnung auf einer Schiefertafel. Sie stellt eine umgekehrte gefrorene Berglandschaft im Negativ dar. Inspiriert von Dantes Beschreibung einer kalten Welt, erschuf Dean eine detailreiche Unterwelt, in der die Seelen unter einer tiefhängenden Decke tanzen. Über ihnen ermöglicht ein kleiner ellipsenförmiger Spiegel mit einem Blick auf den jetzt aufrecht stehenden umgekehrten Berg eine Ahnung der normalen Welt, die den Verdammten unzugänglich bleibt.

Purgatory (Threshold) (2020) ist eine großformatige, an die Wand gepinnte Fotografie, die intensiv mit weißem Stift bearbeitet wurde. So wie Dantes „Fegefeuer“ ein Zwischenzustand ist, verfolgte Dean die Idee, ein Bild irgendwo zwischen Negativ und Positiv zu machen. Die mit Hilfe einer analogen 8 x 10 Zoll Großformatkamera aufgenommenen Jacaranda-Bäume, deren Blüten im Frühling violett leuchten, werden in Drucken gezeigt, bei denen die Farben im Negativ zu sehen sind, was die deutlich violetten Blüten in ein sehr diesseitiges Grün verwandelt. Die durch den weißen Stift wie verhüllt wirkende städtische Umgebung gibt dem Ganzen einen zusätzlich befremdlichen Charakter.

In der Mitte des Ausstellungssaals steht ein Pavillon, in dem der 35mm-Film Paradise (2021) gezeigt wird, die letzte Arbeit dieser Trilogie. Paradise wird hier erstmals als Kunstwerk gezeigt, außerhalb seines ursprünglichen Kontextes als Bühnenbild eines Ballets. Die begleitende Musik ist eine digitale Simulation von Thomas Adès’ Partitur für Orchester, Paradiso. Unter Technikern als MIDI bekannt, wurde die musikalische Computersimulation ein wertvolles Tool, als es während des Covid-19 Lockdowns Orchestern nicht möglich war, Musik aufzunehmen. Paradise ist anamorphotisch und vollkommen abstrakt und bezieht sich auf die kreisförmigen und planetarischen Motive, die Dante in seinem Paradies beschreibt. Die üppigen Farben des Films entstammen der Palette von William Blake (1757 – 1827, London). Sie finden sich auch in den zehn handgedruckten Siebdrucken im Korridor, auf denen unterschiedliche planetarische Zustände dargestellt sind.

Weitere Arbeiten aus dem Kontext von The Dante Project sind zu sehen, darunter zwei Werke aus der Fegefeuer-Reihe, Purgatory (Mounts I & II) (2021) sowie eine achtteilige Fotogravur mit dem Titel Inferno(2021), die aus einem Panorama alter Fotografien mit Bergen collagiert und mit Beschriftungen versehen wurde, um die Reise von Dante und Vergil anzudeuten. Eine kleine Kohlezeichnung, Expulsion (2019), nach Masaccios (1401, San Giovanni Altura – 1428 Rom) Fresko in der Brancacci-Kapelle in Florenz zeigt die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Als Auftragsarbeit für das Magazin der Süddeutschen Zeitung entstand die Zeichnung als Antwort auf den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Im zweiten Teil der Ausstellung geht es um Tacita Deans 16 mm-Film One Hundred and Fifty Years of Painting (2021), der in einem speziell entworfenen Pavillon gezeigt wird, in dem auch zwei Gemälde der im Film vorkommenden Künstler hängen: Luchita Hurtado (1920, Caracas - 2020, Santa Monica) und Julie Mehretu (1970, Addis Ababa). Der Film, der eine Unterhaltung zwischen beiden Frauen zeigt, kam zustande aufgrund ihrer Freundschaft mit Dean. Als diese realisierte, dass beide an einem 28. November geboren wurden, und Luchita im Jahr 2020 an Julies fünfzigsten Geburtstag einhundert Jahre alt werden würde, filmte sie beide bei einem Gespräch am 3. Januar 2020 in Luchita Hurtados Wohnung in Santa Monica. Der Titel, in dem eine absichtliche Übertreibung mitklingt, täuscht über eine Situation hinweg, in der beide Frauen offen über das Leben und den Tod sprechen, über ihre Situation als Immigrantinnen in den Vereinigten Staaten, über Mutterschaft, Klimawandel und natürlich über die Malerei. Über die beiden hier gezeigten Arbeiten, Hurtados Gemälde im Stil ihrer Sky Skin-Serie, Mascara (1975) und Mehretus Hineni (E.3:4) (2018) wird im Film gesprochen.

Zwei lithografische Reihen, die Dean in den Werkstätten des Meisterdruckers Gemini G.E.L. in Los Angeles anfertigte, hängen an den umliegenden Wänden. Es handelt sich um LA Exuberance (2016) und um LAMagic Hour (2021). Die Drucke, die nicht von Fotos, sondern von Zeichnungen ausgehen, zeigen beispielhaft Deans Entzücken über den Himmel von Los Angeles bei ihrer Ankunft aus Europa. Neben ihnen hängen sechs kleine Zeichnungen auf Schiefertafeln, ebenfalls zum Thema des Himmels über Los Angeles.

In der kleinen Westgalerie wird Buon Fresco (2014) gezeigt, ein Film über Giottos (1266, Vespignano – 1337, Florenz) Fresken in der Oberkirche der Basilika San Francesco in Assisi. Gefilmt mit einem Makroobjektiv aus geringem Abstand ermöglicht der Blick der Kamera dem Betrachter einen besonderen Zugang zu Giottos Fresken und hebt die vorzüglichen Details und die malerische Meisterschaft des Künstlers hervor.

Biografie
Tacita Dean (1965, Canterbury) hatte zuletzt Einzelausstellungen im Kunstmuseum Basel (2021), im EMMA – Espoo Museum für Moderne Kunst in Finnland (2020), in der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen (2019), im Serralves Museum of Contemporary Art in Porto (2019) und im Kunsthaus Bregenz (2018). 2018 zeigte sie gleichzeitig die Ausstellungen LANDSCAPE, PORTRAIT und STILL LIFE in der Royal Academy, der National Gallery und der National Portrait Gallery in London. 2011 stellte sie als Teil der Unilever Series die Arbeit FILM in der Tate Modern aus, die den Beginn ihrer Kampagne zum Schutz und Erhalt fotochemischer Filmverfahren markiert. Im Oktober 2021 wird das auf Dantes Göttlicher Komödie beruhende neue Ballettstück The Dante Project des Royal Ballet mit einer Choreografie von Wayne McGregor (1970, Stockport) und einem Bühnenbild sowie Kostümen von Tacita Dean unter der Leitung des Dirigenten und Komponisten Thomas Adès (1971, London) am Royal Opera House in London Premiere feiern. 2014–2015 war sie Artist in Residence am Getty Research Institute. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Los Angeles.

Kuratoren: Suzanne Cotter und Christophe Gallois, assistiert von Clémentine Proby
Szenografie: Tacita Dean, in Zusammenarbeit mit Polaris Architects
Filmprojektion: Kenneth Graham, KSO AV
Studio Tacita Dean: Cleo Walker
Medienpartner: Monopol

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Ausstellung

Martine Feipel & Jean Bechameil

Einzelausstellung

Martine Feipel und Jean Bechameil (1975, Luxemburg / 1964, Paris) waren zunächst in Luxemburg aktiv, bevor sie sich dauerhaft in der europäischen Szene etablieren konnten. Seit 2008 entwickelt das Künstlerduo ein Werk, das sich durch eine vielfältige Formensprache und eine engagierte Auseinandersetzung mit der heutigen Gesellschaft auszeichnet. Das Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean hat die Künstler eingeladen, eine neue Installation für den Skulpturengarten des Museums zu konzipieren.

Die in der Tradition der Moderne und der Avantgarden der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verankerten Arbeiten von Martine Feipel und Jean Bechameil nehmen ihre Anleihen sowohl bei den Experimenten des Kubismus und den Kompositionen der Konstruktivisten als auch beim Funktionalismus des Bauhaus, der stylisierten Ästhetik des Jugendstils und der kinetischen Kunst. Indem sie sich deren ästhetisches und thematisches Vokabular aneignen, erschaffen sie immersive, physische und wahrnehmungsbezogene Installationen, in denen Illusion und Imagination miteinander verschmelzen.

Die Arbeiten von Feipel und Bechameil thematisieren darüber hinaus einen zentralen Aspekt der Moderne und der Gegenwart: die Automatisierung von Industrie und Alltag. Die fortschreitende Mechanisierung der Gesellschaft stellt sich in ihren Skulpturen in Form von Zahnrädern und unterschiedlichen Maschinenteilen dar, die dank einer Behandlung mit Harz oder synthetischem Gips an versteinerte Überreste erinnern, die jeglicher Funktionalität beraubt sind. Indem sie Formen erschaffen, die auf die industrielle Moderne verweisen, untersuchen die beiden Künstler auch die „Mechanismen“ zeitgenössischer Lebensstile und deren soziale und kollektive Rahmenbedingungen, um so neue „Möglichkeitsräume“ zu eröffnen.

Ausgangspunkt ihrer Arbeiten ist zumeist die Geschichte eines bestimmten Ortes oder die Analyse des jeweiligen Kontexts. Dabei beruht die visuelle Strahlkraft ihrer Arbeit jedoch vor allem auf ihrer Fähigkeit, Umgebungen zu schaffen, deren Theatralik durch eine dramatische Beleuchtung subtil untermalt wird. Die für den Skulpturengarten des Museums konzipierte Installation umfasst eine Reihe von Werken, die sich anhand von Zeitlupen-Effekten und Raschelgeräuschen zu einer theatralischen Kulisse zusammenfügen.

Biografie
Martine Feipel und Jean Bechameil (1975, Luxemburg / 1964, Paris) haben Einzelausstellungen in der HAB Galerie in Nantes (2020), im Casino Luxembourg – Forum d’art contemporain (2017), im Cercle Cité in Luxemburg (2015), im Pavillon de l’Arsenal in Paris (2014), im Creux de l’enfer in Thiers, Frankreich (2013), im Centre d’art Nei Liicht in Düdelingen, Luxemburg (2010), im Centre des Arts Pluriels in Ettelbrück, Luxemburg (2010) und in Værnedamsvaj in Kopenhagen präsentiert. Sie sind in der Sammlung des Mudam mit der großen Installation Le Cercle fermé (2011) vertreten. Ihre großformatige Skulptur Many Dreams (2012) wurde 2014 im angrenzenden Park Dräi Eechelen ausgestellt. 2011 vertraten sie Luxemburg auf der 54. Biennale von Venedig. Ihre Arbeiten befinden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen, unter anderem dem Mudam Luxembourg, dem MNHA – Nationalmuseum für Geschichte und Kunst in Luxemburg und dem Frac Lorraine in Metz. Sie leben und arbeiten in Brüssel.

Kurator: Clément Minighetti, Assistenz: Clémentine Proby

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1 Ausstellung

25 Jahre Mudam Sammlung

Präsentation der Sammlung

Die Feierlichkeiten zum fünfzehnten Jahrestag der Eröffnung des Mudam bieten Gelegenheit, die Vielfalt und die Stimmigkeit der Mudam Sammlung zu betonen, deren erste Ankäufe ja bereits im Jahr 1996, in der Vorphase des Museums, getätigt wurden. Anhand einer Auswahl von etwa vierzig Werken bietet diese neue Zusammenstellung nun einen Überblick von den 1960er Jahren bis in die ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts, bei dem es um Formen, aber auch um Prozesse oder Haltungen in der zeitgenössischen Kunst geht. Der Parcours bleibt nicht statisch, da sich die Hängung der Werke im Laufe des Jahres verändern wird. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Bezügen, die sich zwischen den in den vergangenen 25 Jahren erworbenen Werken herstellen lassen, und auf gewissen Tendenzen und Themen, die sich daraus ableiten lassen.

Die Auswahl thematisiert eine Reihe von Begriffen, die unmittelbar mit dem zeitgenössischen Kunstschaffen zusammenhängen. Sie hebt beispielsweise den Einfluss der Konzeptkunst oder des Minimalismus auf heutige Kunstpraktiken hervor. Gleichzeitig unterstreicht sie den sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion ständig erneuernden Dialog und verweist auch auf den Stellenwert der Narration in der Herstellung von Bildern und der Darstellung der Welt. Bedeutsam ist auch die Vielfalt der Materialien und der unterschiedlichen, von den Künstlern verwendeten Verfahren, sei dies der Gebrauch industriell gefertigter Stoffe, die Verwendung fertig vorgefundener Dinge, die Verwandlung des Körpers in ein künstlerisches Werkzeug oder die Neudefinition des kreativen Prozesses. Diese Präsentation der Werke aus der Mudam Sammlung bietet so auch eine Gelegenheit, über ihre zukünftige Entwicklung nachzudenken und unterstreicht ihren Anspruch, das zeitgenössische Kunstschaffens in seiner ganzen Vielfalt darzubieten, ohne dabei den Blick auch auf die Gegenwart der Welt zu verliere

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Bewertungen & Berichte 25 Jahre Mudam Sammlung

Ausstellung

Mudam Sammlung

Die bedeutendste Sammlung für Gegenwartskunst in Luxemburg

Inhaltlich wie konzeptuell konsequent international, umfasst sie beinahe 700 Werke aller Medien von Künstlern aus Luxemburg und der ganzen Welt.

Dabei besteht ein kleiner Teil der Sammlung aus Mode- und Designobjekten. Über 54 Werke in der Sammlung waren Auftragsarbeiten für das Mudam und entstanden unter Berücksichtigung seiner spezifischen architektonischen Gegebenheiten. Eckdaten für den Sammlungsaufbau waren die ersten Erwerbungen in den 1990er-Jahren, die Gründung des Museums 1998 und seine Eröffnung 2006. Wenngleich die 1960er-Jahre als historischer Bezugspunkt für die Gegenwartskunst gelten, datiert die Mehrzahl der Werke in der Sammlung aus den Jahren 1989 bis heute. Eine Ausnahme bildet das Möbelensemble für das Paimio-Sanatorium, welches zwischen 1931 und 1933 von dem Architekten Alvar Aalto entworfen und 2002 durch das Mudam erworben wurde.

Dabei besteht ein kleiner Teil der Sammlung aus Mode- und Designobjekten. Über 54 Werke in der Sammlung waren Auftragsarbeiten für das Mudam und entstanden unter Berücksichtigung seiner spezifischen architektonischen Gegebenheiten. Eckdaten für den Sammlungsaufbau waren die ersten Erwerbungen in den 1990er-Jahren, die Gründung des Museums 1998 und seine Eröffnung 2006. Wenngleich die 1960er-Jahre als historischer Bezugspunkt für die Gegenwartskunst gelten, datiert die Mehrzahl der Werke in der Sammlung aus den Jahren 1989 bis heute. Eine Ausnahme bildet das Möbelensemble für das Paimio-Sanatorium, welches zwischen 1931 und 1933 von dem Architekten Alvar Aalto entworfen und 2002 durch das Mudam erworben wurde.

Nancy Spector (Artistic director – Chief Curator des Solomon R. Guggenheim Foundation in New York), Daniel Birnbaum (Direktor des Acute Art in London) und Adam Szymczyk (künstlerischer Leiter der Documenta 14) sind Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Mudam Sammlung bis 2020, zusätzlich zu Paul die Felice, der dort den Verwaltungsrat vertritt. Das Komitee wird geleitet von Suzanne Cotter, der Direktorin des Mudam.

Werke der Sammlung die aktuell im Mudam ausgestellt sind

Stephan Balkenhol, Portaits de SS.AA.RR. Le Grand-Duc Jean et La Grande-Duchesse Joséphine-Charlotte
Ronan & Erwan Bouroullec, Mudam Café
Thomas Hirschhorn. Flugplatz Welt/World Airport
Suki Seokyeong Kang
Michel Paysant, Nano-portraits de SS.AA.RR. le Grand-Duc Henri et la Grande-Duchesse Maria Teresa
Recent Donations and Long-Term Loans
Martin Szekely, Lobby
Bert Theis, Drifters
Su-Mei Tse, Many Spoken Words
Worlds in Motion
Werke der Sammlung die aktuell im Park Dräi Eechelen ausgestellt sind

Maria Anwander, The Present
Nairy Baghramian, Beliebte Stellen/Privileged Points
Andrea Blum, gardens + fountains + summer café
Fernando Sánchez Castillo, Bird Feeder
David Dubois, Chênavélos & Bancs-terre
Ian Hamilton Finlay, HUIUS SECULI CONSTANTIA ATQUE ORDO INCONSTANTIA POST ERITATIS A ST.J

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3 Ausstellung

Enfin seules

Fotografien aus dem Archive of Modern Conflict

Enfin seules (Endlich allein) präsentiert eine Auswahl von über zweihundert Bildern aus dem Archive of Modern Conflict. Dieses 1992 in London gegründete Archiv beschreibt sich selbst als „Aufbewahrungsort für die vergessenen und verborgenen Geschichten, die versteckt in seinem fotografischen Fundus liegen.“ Von seinem ursprünglichen Fokus auf die Geschichte von Konflikten erweiterte es sich in etwas, das mehr einem Laboratorium ähnelt als einem herkömmlichen Archiv. Heute gehört es zu den größten Fotosammlungen der Welt mit über acht Millionen Bildern, mit Veröffentlichungen und Ausstellungen zu den unterschiedlichsten Themen.

Mit Fotografien aus allen Kontinenten und einem zeitlichen Umfang, der von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre reicht, bietet Enfin seules einen neuen Blick auf die Welt der Pflanzen in all ihrer Vielfalt und individuellen Besonderheit. Die ausgestellten Fotos spiegeln die Vielseitigkeit der Sammlung und präsentieren die Vorstellung einer Welt, in der alle Tiere von der Erde verschwunden sind.

Enfin seules ist eine immersive Ausstellung, die sich um einen zentralen, höhlenartigen Raum herum entwickelt. Die Wände der Ausstellung sind mit stark vergrößerten Fotos aus dem Archiv tapeziert. Aus Bildern von Blumen, Pilzen, Baumstämmen, Farnen, Tropfsteinen und Nordlichtern entsteht ein Panorama von Pflanzen, Felsen und Lichtern, welches den Hintergrund bildet für die Auswahl historischer und neuerer Abzüge. So stehen Werke bekannter Künstler und Fotografen neben Fotos von Botanikern, Astronomen, Mathematikern und anderen Wissenschaftlern wie auch neben solchen von begeisterten Laien und Unbekannten, die eine Zeitspanne von mehreren Generationen umfassen und zahlreiche fotografische Techniken und Prozesse repräsentieren.

The Archive of Modern Conflict hatte Ausstellungen bei: PHotoESPAÑA, Madrid (2018); Les Rencontres d’Arles (2018 und 2017); in der Tate Modern, der Hayward Gallery, London (2014), dem Museum of Contemporary Art Toronto (2013) und bei Paris Photo (2012). Ihr preisgekrönter Verlag AMC Books veröffentlichte bereits über 70 Bücher und unterhält auch eine Zeitschrift: AMC2.

Der Europäische Monat der Fotografie (EMOP) ist ein Netzwerk einzelner Fotofestivals, die alle zwei Jahre in Berlin, Lissabon, Luxemburg, Paris und Wien stattfinden. In diesem Zusammenschluss werden Partnerschaften der internationalen Fotoszene gestärkt, der Austausch gefördert und junge Künstler unterstützt. Der Europäische Monat der Fotografie in Luxemburg wird organisiert von Café-Crème asbl.

Mit Fotografien von:
Anna Atkins (1799, Tonbridge – 1871, Halstead), Paul Marcellin Berthier (1822, Paris – 1912, Paris), Brassaï (1899, Brașov – 1984, Beaulieu-sur-Mer), Adolphe Braun (1812, Besançon – 1877, Dornach), Fred Payne Clatworthy (1875, Dayton – 1953, Estes Park), Thomas Joshua Cooper (1946, San Francisco), William Craven (1809, London – 1866, Scarborough), Maxim Petrowitch Dmitriew (1858, Powalischino – 1948; Nischni Novgorod), Henry John Elwes (1846, Cheltenham – 1922, Cheltenham), Dmitri Ermakov (1845, Tiflis –1916, Tiflis), Amelia Elizabeth Gimingham (1833, London – 1918, Axbridge), Fay Godwin (1931, Berlin – 2005, Hastings), Conrad Theodore Green (1863, Kirkburton – 1940, Birkenhead), Petr Helbich (1929, Prag), John Karl Hillers (1843, Hannover – 1925, Washington D.C.), Frederick Hollyer (1838, London – 1933, Blewbury), Bertha Jaques (1863, Covington – 1941, Chicago), Edward Dukinfield Jones (1848, Derby – 1938, Los Angeles), August Kotzsch (1836, Dresden – 1910, Dresden), Axel Lindahl (1841, Mariestad – 1907, Södertälje), Lee Miller (1907, Poughkeepsie – 1977, Chiddingly), Paul-Émile Miot (1827, Trinidad – 1900, Paris), Charles Nègre (1820, Grasse – 1880, Grasse), Ferdinand Quénisset (1872, Paris – 1951, Juvisy-sur-Orge), Willy Ronis (1910, Paris – 2009, Paris), Jaroslav Rössler (1902, Smilov – 1990, Prag), José María Sert (1874, Barcelona – 1945, Barcelona), Carlo Baldassare Simelli (1811, Stroncone – nach 1877), Fredrick Carl Størmer (1874, Skien – 1957, Oslo), Josef Sudek (1896, Kolín – 1976, Prag), Graham Sutherland (1903, London – 1980, London), Eugen Wiškovský (1888, Dvůr Králové nad Labem – 1964, Prag) und Shikanosuke Yagaki (1897, Kyoto – 1966).

Ausstellungskonzept: Timothy Prus (Archive of Modern Conflict)

Kuratoren:
Timothy Prus
Assistiert von Ed Jones, Luce Lebart, Giulia Shah und Michelle Wilson
Michelle Cotton
Assistiert von Sarah Beaumont und Christophe Gallois

Ausstellungsdesign: Polaris Architects

Die Ausstellung wurde vom Archive of Modern Conflict für das Mudam konzipiert, im Rahmen des Europäischen Monats für Fotografie (EMOP).

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Bewertungen & Berichte Enfin seules

19.05.21, 23:32, KP Enfin seules heiß endlich allein

Die älteste Künstlerin dieser Ausstellung wurde 1799 geboren. Das ist insofern etwas Besonderes, weil es um Fotografie geht und die Fotografie erst um 1820 erfunden wurde. Enfin seules heiß endlich allein und ist der Name der Ausstellung mit Werken des Archive of Modern Conflict. Diese Archiev, dass sich zunehmend selbst zu einem Laboratorium rund um die Fotografie entwickelt, versteht sich selbst als “Aufbewahrungsort für die vergessenen und verborgenen Geschichten, die versteckt in seinem fotografischen Fundus liegen.” Und da liegt einiges wie diese Ausstellung im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie (EMOP) im Mudam Luxembourg Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean in Luxemburg stattfindet.

19.05.21, 23:32, KP Enfin seules heiß endlich allein

Die älteste Künstlerin dieser Ausstellung wurde 1799 geboren. Das ist insofern etwas Besonderes, weil es um Fotografie geht und die Fotografie erst um 1820 erfunden wurde. Enfin seules heiß endlich allein und ist der Name der Ausstellung mit Werken des Archive of Modern Conflict. Diese Archiev, dass sich zunehmend selbst zu einem Laboratorium rund um die Fotografie entwickelt, versteht sich selbst als “Aufbewahrungsort für die vergessenen und verborgenen Geschichten, die versteckt in seinem fotografischen Fundus liegen.” Und da liegt einiges wie diese Ausstellung im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie (EMOP) im Mudam Luxembourg Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean in Luxemburg stattfindet.

19.05.21, 23:32, KP Enfin seules heiß endlich allein

Die älteste Künstlerin dieser Ausstellung wurde 1799 geboren. Das ist insofern etwas Besonderes, weil es um Fotografie geht und die Fotografie erst um 1820 erfunden wurde. Enfin seules heiß endlich allein und ist der Name der Ausstellung mit Werken des Archive of Modern Conflict. Diese Archiev, dass sich zunehmend selbst zu einem Laboratorium rund um die Fotografie entwickelt, versteht sich selbst als “Aufbewahrungsort für die vergessenen und verborgenen Geschichten, die versteckt in seinem fotografischen Fundus liegen.” Und da liegt einiges wie diese Ausstellung im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie (EMOP) im Mudam Luxembourg Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean in Luxemburg stattfindet.

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Mudam Luxembourg

Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean

Mudam, das Museum für zeitgenössische Kunst in Luxemburg, setzt sich für eine Vielfalt künstlerischer Disziplinen ein. Seine Sammlung und sein Ausstellungsprogramm stehen für die Tendenzen des zeitgenössischen Kunstschaffens und halten die Besucher ständig über neue künstlerische Arbeitsweisen auf dem Laufenden, auf nationaler wie auf internationaler Ebene.

Das Gebäude, ein Werk des chinesisch-amerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei, steht in einem perfekten Dialog mit seinem natürlichen und historischen Umfeld. Erbaut unmittelbar hinter den Überresten des Fort Thüngen, dessen alte Wallmauern seinen Grundriss bestimmten, liegt es, nur wenige Schritte vom Europaviertel auf dem Kirchberg entfernt, im Park Dräi Eechelen, der vom Landschaftsarchitekten Michel Desvigne entworfen wurde und vom dem man eine herrliche Sicht auf die Altstadt hat.

Einfache Volumina und großzügig geschnittene Räume ebenso wie die Verbindung von Stein und Glas zeugen von der meisterhaften Beherrschung der architektonischen Mittel durch den berühmten Architekten. Das raffinierte Spiel zwischen Innen und Außen, bei dem eine Vielzahl von Ausblicken auf den umliegenden Park wie auch auf die Weite des Himmels durch die kühnen Glasdecken ermöglicht wird, wird unterstrichen durch die Verwendung von Magny Doré, einem honigfarbenen Kalkstein, der zu jeder Tages- und zu jeder Jahreszeit das Licht in subtilen farblichen Nuancen wiedergibt. Das Museum verfügt auf drei Etagen über 4500 m2 Ausstellungsfläche. Baubeginn war im Januar 1999, die Einweihung fand am 1. Juli 2006 statt.

Das kulturelle Projekt des Mudam beruht auf der Vorstellung von der Kunst als eine poetische Distanz zur Welt. Seine Hauptlinien lesen sich in den Worten Freiheit, Innovation, kritische Geisteshaltung, und all das nicht ohne Humor. In seinen Veranstaltungen wird nicht nur allen möglichen Ausdrucksformen Raum gegeben sondern es werden gleichzeitig auch unsere Gewohnheiten und überkommenen Vorstellungsweisen infrage gestellt. So werden Formen zeitgenössischen Denkens erforscht wie auch die ästhetische Sprache unserer sich entfaltenden Epoche vorgestellt.

Die Mudam Sammlung ist als Zeuge des zeitgenössischen Kunstschaffens in all seinen technischen und ästhetischen Formen offen gegenüber allen künstlerischen Disziplinen: Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie, aber auch Design, Mode und die verschiedensten Formen der Graphik und der Neuen Medien präsentieren sich dem Blick der Besucher. Dabei erlaubt sich die entschieden in der Gegenwart verankerte Sammlung eine poetisch-künstlerische Bandbreite, die bei den großen Namen von Bernd und Hilla Becher bis zu Daniel Buren reicht, von Blinky Palermo bis hin zu Cy Twombly. Die Möblierung im Innern wie im Außenbereich wurde Künstlern und Designern wie Erwan und Ronan Bouroullec, Martin Szekely, Konstantin Grcic, Bert Theis, Andrea Blum oder David Dubois anvertraut. Die Sammlung entwickelt sich im Hinblick auf das internationale Kunstschaffen und bewahrt dabei eine besondere Aufmerksamkeit auch gegenüber den bedeutendsten Resultaten der regionalen Kunstszene.

Dieses Abenteuer erlebt Mudam gemeinsam mit seinen Besuchern. Die Besucher sind eingeladen, sich im Museum selbst neu zu erleben, Vorurteile hinter sich zu lassen und der Kunst mit einem neuen und befreiten Blick zu begegnen. Zahlreich sind die Möglichkeiten der verschiedensten Besichtigungen, von der detailliert geführten bis zur selbstständig freien hat der Besucher die Wahl. Als Ort für ästhetische Entdeckungen, für Reflexion und Betrachtung, ist das Mudam auch ein Ort der Geselligkeit in anregendem Rahmen (im Mudam Café) wie auch ein Ort für den anregenden Einkauf (im der Mudam Boutique).
Öffnungszeiten
Mittwoch - Freitag 11-20 Uhr
Samstag - Montag 11-18 Uhr
Feiertage 11-18 Uhr
Dienstags geschlossen sowie am 25.12.

Photos: © Pierre-Olivier Deschamps / Agence Vu, Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean, Architect: I.M. Pei

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Bewertungen & Berichte Mudam Luxembourg

Ausstellungen / Museum Stadtgalerie Saarbrücken Saarbrücken, St. Johanner Markt 24 
Ausstellungen / Museum Stiftung Saarländischer Kulturbesitz Saarbrücken, Bismarckstraße 11-19
Ausstellungen / Museum Museum Dräi Eechelen Luxemburg Luxembourg, 5 Park Dräi Eechelen
Ausstellungen / Museum Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken e.V. Saarbrücken, Karlstr. 1
Ausstellungen / Museum Weltkulturerbe Völklinger Hütte Völklingen, Rathausstraße 75 -79

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